Frankreich sorgte für Scheitern des Widerstands

Die Volksbewegung gegen die neokoloniale Diktatur im Tschad ist zunächst gescheitert [1]. Das Ziel, Déby zu stürzen, verbindet unterschiedliche Kräfte, was ein Gespräch mit Djimadoum Ley-Ngardigal aufzeigt. Dieser ist Generalsekretär von ACTUS, der Tschadischen Aktion für Nationale Einheit und Sozialismus, und lebt im französischen Exil. Ende Januar und Anfang Februar versuchten mehrere Rebellengruppen, die Regierung des von Frankreich gestützten Präsidenten Idriss Déby im zentralafrikanischen Tschad militärisch unter Druck zu setzen.

Hat Ihre Partei am Angriff der Rebellen auf die Hauptstadt N’Djamena teilgenommen?
Wir stehen in gutem Kontakt mit den Oppositionskräften und haben die Offensive unterstützt. Wir bevorzugen allerdings statt des in den Medien verwendeten Ausdrucks Rebellen den Begriff nationaler Widerstand. Denn es handelt sich nicht um eine Militärrebellion, sondern eine Volksbewegung gegen eine neokoloniale Diktatur.
 
Warum konnte der Widerstand die Hauptstadt nicht einnehmen?
Am 1. Februar war N’Djamena praktisch gefallen. Die Truppen des Einheitlichen Militärkomitees (CMU) standen vor dem Präsidentenpalast. Bei der Kontaktaufnahme mit den Franzosen wurde diesen zugesagt, daß sie nicht angegriffen würden. Die französischen Truppen erbaten Zeit für die Evakuierung ihrer Landsleute, die ihnen Mohammed Nouri, der Oberkommandierende und Chef der Union der Kräfte für Demokratie und Entwicklung (UFDD), gewährte. Das nutzten die Regierungstruppen, um sich mit Unterstützung der Franzosen zu reorganisieren. Das französische Kommando für Spezialkräfte (COS) griff mit Helikoptern und Nachtsichtgeräten sogar direkt in die Kämpfe auf seiten der Regierungsarmee ein. Das ist der Hauptgrund des Scheiterns. Allerdings dürften auch Divergenzen zwischen den Gruppen eine Rolle gespielt haben.
 
Der heutige Präsident Déby war selbst ein Rebell gegen die profranzösische Diktatur Hissène Habrés (1982–1990), wandelte sich dann schnell zum Gewaltherrscher von Frankreichs Gnaden. Wie kann diese Transformation im Falle eines Sieges verhindert werden?
Die Tschader werden es einfach nicht akzeptieren. Heute besteht unsere Hauptaufgabe darin, gemeinsam, selbst mit den reaktionären Kräften, den Tyrannen Déby zu stürzen. Aber die schwierigere Aufgabe wird sein, in der Folge den Kampf darum auszutragen, wer ihn ersetzen soll. Die Frage der Führung ist nicht gelöst. Aber ich bin optimistisch. Es gibt antiimperialistische und revolutionäre Kräfte, und auch unsere Präsenz wird einen Beitrag leisten. Außerdem können wir uns auf eine neue Generation von Kämpfern stützen, die die Erfahrungen der Vergangenheit verarbeitet haben.
 
Sind die Oppositionellen Marionetten des Sudans, wie ihnen oft vorgeworfen wird?
Der Widerstand gegen Déby hat wenige Monate nach seiner Machtübernahme begonnen und zwar ohne den Sudan, der zu diesem Zeitpunkt Déby sogar noch unterstützte. Der Widerstand ist nicht von außen geschaffen, er ist Ausdruck des Freiheitskampfes des tschadischen Volkes gegen ein blutrünstiges Regime. Frankreich will von dieser Tatsache ablenken und den Widerstand als von außen gesteuert darstellen. Dabei war es Déby, der als erster die sudanesischen Rebellen der MJE (Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit) von Khalil Ibrahim unterstützte. Déby und Ibrahim gehören der gleichen Ethnie, dem Stamm der Zaghawa, an. Die sudanesische Unterstützung für den tschadischen Widerstand war eine Reaktion darauf. Aber auch Charles de Gaulle hat die amerikanische Unterstützung gegen die Nazis angenommen. Ist er dadurch zur US-Marionette geworden?
 
1 Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/02-27/030.php Das Interview führte Willi Langthaler

Ein ausführlicher Bericht über den Tschad enthält

Ursachen des Asylantenstroms - Von Doris Auerbach